Könige der Lüfte.

Greifvögel sind mit 290 Arten auf der ganzen Welt verbreitet. Der größte unter ihnen ist der Kondor mit einer Flügelspannweite von 3,50 m. Der kleinste unter den Greifvögeln ist der Zwergrotschenkelfalke, er hat die Größe eines Singvogels (Sperling).Die weit überwiegende Zahl der Arten (ca.220) lebt in den tropischen Savannen und Regenwäldern, während z.B. in der arktischen Tundra nur vier Arten brüten. In Europa kommen 38 Arten als Brutvögel vor. Die Greifvögel haben den Menschen von jeher fasziniert, vor allem durch den besonders eindrucksvollen Anblick, den sie im Fluge bieten.

Als „Herrscher der Lüfte“ wurde der Adler zu Symbol der Macht auf Wappen und Hoheitszeichen. Über die Jagd mit Falken hat der Hohenstauferkaiser Friedrich der II. sein berühmtes Buch „De arte venandicum avibus“ („Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“) geschrieben. An vielen Fürstenhöfen spielte die Beizjagd vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein eine bedeutende Rolle als gesellschaftliches und sportliches Vergnügen, weniger wegen der Beute. Falken dienten als Geschenke auch diplomatischen Beziehungen. Damals wirkte es sich als Schutz für die Greifvögel aus, dass sich die Herrschenden den Zugriff auf diese Tiere selbst vorbehielten.

Mit der Entwicklung der Schusswaffen, die eine einfachere Bejagung des Niederwildes ermöglicht und dessen Verminderung bewirkt hat, bahnte sich jedoch im 18. und 19. Jahrhundert eine verhängnisvolle Entwicklung an: Greifvögel wurden als Konkurrenten betrachtet und als „Raubvögel“ mit allen Mitteln bekämpft, abgeschossen oder in Fallen gefangen. Dabei bildete die Zahlung von Prämien für die abgelieferten Fänge einen erheblichen Anreiz.

Dieser Vernichtungskrieg gegen Greifvögel hat dazu geführt, dass Brutvorkommen von Adlerarten Mitte bis Ende des vorigen Jahrhunderts in großen Teilen Mitteleuropas völlig erloschen sind. Aber auch alle anderen Greifvogelarten wurden sehr stark dezimiert. Noch in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden -allein in der BRD- alljährlich Tausende von Greifvögeln erlegt, da einige Arten (Habicht, Sperber, Mäusebussard, Rauhfußbussard, Rohrweihe und Fischadler) noch regulär bejagt werden durften. Im gleichen Zeitraum sind durch den stark angestiegenen Einsatz von hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln und anderen Umweltgiften einige Greifvogelarten, die als Endglieder der Nahrungskette hiervon besonders betroffen waren, an den Rand des Aussterbens gebracht, vor allem der Wanderfalke, der Sperber und der Seeadler.

Erst im Laufe der 70er Jahre kam die ganzjährige Schonzeit für Greifvögel. Man hat erkannt, dass diese Tiere eine wichtige Rolle innerhalb der Lebensgemeinschaften spielen, indem sie im Sinne der natürlichen Auslese wirken.

Inzwischen gibt es sowohl auf regionaler Ebene viele Arbeitsgruppen, die sich intensiv um die Erforschung und den Schutz von Greifvögeln bemühen.

Auch in der heutigen Falknerei ist neben der Jagd mit dem Falken vor allem der Artenschutz und die Zucht seltener und vom Aussterben bedrohten Greifvögel von großer Bedeutung und wohl wichtigste Aufgabe.

Infolge der jagdlichen Schonung und des Verbots der Anwendung bestimmter Biozide sowie dank der aktiven Schutzbemühungen für stark gefährdete Greifvögel konnten sich die Bestände der noch immer gefährdeten Arten wieder erholen. Aber es sind weitere Anstrengungen nötig, um auch die Bestände der noch immer gefährdeten Arten zu erhalten. Dazu ist vor allem die großflächige Sicherung der Lebensräume erforderlich sowie nicht nachlassender Wachsamkeit gegenüber Schädigungen durch Umweltgiften.

Im Rüttelflug zum Vogel des Jahres 2007.

Der Turmfalke - eleganter Jäger in Feld und Flur.

Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Turmfalken zum "Vogel des Jahres 2007" gekürt. Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist mit seinen rund 35 Zentimetern Körpergröße und 75 Zentimetern Flügelspannweite ein kleiner Verwandter des ersten Jahresvogels überhaupt, dem 1971 gewählten Wanderfalken. Im Gegensatz zum damals vom Aussterben bedrohten Wanderfalken ist der Turmfalke kein ganz seltener Vogel. Dennoch gehen die Bestandszahlen langsam, aber stetig zurück.

Auch wenn er nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht und die Bestände in manchen Regionen stabil geblieben sind, hat die Zahl der Turmfalken in einigen Teilen Deutschlands in den vergangenen 30 Jahren deutlich abgenommen. „In Baden-Württemberg ist die Zahl der Brutpaare um mehr als die Hälfte zurückgegangen und in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben sich die Bestände um mehr als 20 Prozent reduziert“.

Freie Flächen an den Stadt- und Dorfrändern würden durch Straßen und Neubauten versiegelt, Nistmöglichkeiten an geeigneten Gebäuden bei Sanierungen häufig verschlossen und Kirchtürme oftmals von außen unzugänglich gemacht. Dem Turmfalken fehle es zunehmend an Nistplätzen und Nahrungsangebot. Denn auch die offenen Landschaften – sein bevorzugtes Jagdrevier – würden immer eintöniger. Es fehlen zunehmend Hecken, einzelne Bäume und Pfähle, die der Vogel als Ansitz für die Jagd nutzt.
Der Turmfalke steht auch für den Greifvogelschutz. Greifvögel sind zunehmend durch den Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln in der Landwirtschaft bedroht. Als Endglieder in der Nahrungskette würden sie durch ihre Beute, die sich vom Feld ernährt, regelrecht vergiftet. Eine naturverträgliche Landwirtschaft mit breiten Acker- und Wegrändern, die ohne Insektizide und Pestizide auskommt, seien wichtige Schutzmaßnahmen für den Turmfalken und andere Greifvögel. Eines der wichtigsten Kennzeichen des Turmfalken ist der Rüttelflug. Dabei späht er mit heftigen Flügelschlägen und breit gefächertem Schwanz in der Luft stehend nach Mäusen, Eidechsen und Insekten, die er im schnellen Stoßflug geschickt erbeutet. In Deutschland leben knapp 50.000 Turmfalken-Paare. Europaweit gibt es etwa 350.000 Brutpaare. Der Turmfalke ist damit die häufigste Falkenart in Europa.